Glaubt ihr an Gott?

Weihnachten rückt immer näher. Für die meisten Menschen ist es das Fest der Liebe, Familie und des Glaubens.

Aber warum gibt es diesen Feiertag? Am heiligen Abend wurde Christus geboren.
Wie so oft zu dieser Jahreszeit, in der es früh dunkel wird, alles schön beleuchtet ist und es überall nach leckeren Plätzchen, Kuchen oder Glühwein riecht, beschäftigt mich die Frage ob wirklich all die Menschen, die Weihnachten so sehr befeiern und lieben, denn auch wirklich gläubig sind - oder eben diese Feiertage einfach nur nutzen um etwas schönes zu erleben und beisammen zu sein.

Ich selbst weiß, ehrlich gesagt, gar nicht mal ob ich gläubig bin.
Als Kind, geprägt durch Religionsunterricht, Sonntagsbesuchen in der Kirche und Kommunion, war für mich immer klar, dass es Gott gibt und dass das, was die Kirche verbreitet die Wahrheit ist. Ich war gerne in der Kirche, ich habe gerne im Gottesdienst mit Fürbitten unterstützt und ich habe mich immer auf den Religionsunterricht gefreut.
Meine halbe Familie kommt aus Polen und dort spielt Religion allgemein, meiner Meinung nach, eine gößere Rolle als bei den Deutschen. Ich kannte bereits aus meiner Kindheit eine Menge Weisheiten und Bräuche. Viele Verwandte und auch wir selbst, hatten Kruzifixe über den Türen hängen.
Wenn ich mich schlecht oder böse gefühlt habe, bin ich oft in die Kirchen beten gegangen.
Auch wenn ich eigentlich ne ziemliche Zicke in meiner Kindheit war (meine Eltern können das bis heute noch bezeugen xD), war ich doch eigentlich immer ein ziemlich braves Kind, das selten Mist gebaut hat und das, wenn es doch mal Kleinigkeiten waren, ziemliche Schuldgefühle hatte.

Ich weiß nicht genau, wieso sich meine Einstellung zu der Kirche, Gott und dem Glauben so stark verändert haben. Ich denke zwar immer noch, dass wir nicht aus dem Nichts entstanden sind, ich glaube an eine Art höhere Macht. Aber ich glaube einfach nicht mehr an einen Gott, der über einen wacht, der über einen richtet und an die Hölle oder den Himmel. Ich glaube nicht mal mehr wirklich an die Kirche. Ich glaube ich war die letzten Jahre nur bei Beerdigungen oder an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern dort - und auch das eigentlich nur, weil es für mich seit meiner Kindheit einfach dazu gehört - aber glaube ich das alles noch?
Ich weiß nicht woher das kommt, aber ich glaube einfach, dass ich zu oft enttäuscht wurde.
Oft kam mir die Welt einfach nur unfair vor und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gott das ignorieren würde.
Nach meiner Orientierungsstufe, so ca. mit 14-15 Jahrem, haben zwei Freundinnen und ich regelmäßig Geld in der Stadt und auf Schulveranstaltungen gesammelt. Das Geld war für einen unsere Mitschüler aus der OS, der an Leukämie erkrankt war. Trotz all den Bemühungen wurde kein geeigneter Spender gefunden und mein ehemaliger Mitschüler verstarb im Alter von 16 Jahren. Für mich war das damals ein ziemlicher Schock, auch wenn wir nie wirklich beste Freunde waren, war so eine Erfahrung einfach neu für mich.
Er war wahrscheinlich, ungelogen, der beste und unschuldigste Mensch, den ich kannte und er hat verdammt nochmal gekämpft um zu leben. Ich verstehe einfach nicht, welcher Gott Eltern ihr Kind in solch einem Alter entreist. (Wer mehr darüber lesen möchte kann das hier und hier.)

Allgemein habe ich desöfteren Erfahrung mit Krebs und ähnlichen Krankheiten machen müssen. Ein Freund einer Mitschülerin im Abi, meine Großeltern und meine Tante. Allesamt waren bewunderswerte, tolle und gutherzige Menschen, die diese Schmerzen nicht verdient hatten.
In meinem Abi hatte ein Mitschüler seine halbe Familie am 11.09. im World Trade Center...
All solche Dinge, die immer so fern scheinen und dann doch so nah sind und vorallem so nah an einen rankommen.

Wie kann Gott Kinder vor ihren Eltern sterben lassen?
Wie kann Gott Kinder zu Waisen werden lassen?
Wie kann Gott Kriege geschehen und unschuldige Menschen töten lassen?
Wie kann Gott immer wieder bösen Menschen 2. Chancen geben?

Ich denke in der heutigen Zeit ist es wichtig Dinge zu hinterfragen.
Es ist nicht so, dass ich alles, was die Kirche vermitteln will, bezweifel. Mein letzter Religionslehrer hat immer gesagt: Die Bibel ist keine Anweisung zu leben, sie ist viel mehr ein Ratgeber. Man muss sie intepretieren um sie zu verstehen.
Zwar besitze ich keine Bibel mehr, aber ich wusste/weiß was er damit meint.
Dinge wie:
Man kann alles schaffen, wenn man daran glaubt - anstatt Moses konnte Wasser spalten.
oder Jesus hat Menschen die Augen geöffnet - anstatt Blinde zu heilen.

Der Unterricht hat auch dazu beigetragen, dass ich meine Meinung ziemlich geändert habe. Ich glaube nicht mehr an das, was mir in der Grundschule oder in der Kirche eingetrichtet hat. Ich glaube nicht daran, dass man in die "Kirche gehen muss", wenn man an Gott glaubt - denn schließlich heißt es er sei überall. Also ist es doch egal, wo ich an ihn glaube - wenn ich an ihn glaube - oder?

Wie sieht das bei euch aus? Glaubt ihr an Gott oder die Kirche?
Hat auch eure Sicht sich mit den Jahren verändert?

Kommentare:

  1. Ich sehe das ähnlich wie Du. Bei mir hat sich die Einstellung zur Kirche und zu Gott auch mit der Zeit verändert. Früher war es für mich selbstverständlich, dass ich zur Kommunion gehe, meine Mutter hat sich engagiert, meine Oma hat täglich mit mir gebetet, wenn ich bei ihr war. Der Religionsunterricht hat mir noch nie so richtig Spaß gemacht (was aber vor allem an unserem Lehrer lag, ein ehem. Pfarrer, der Jungs bevorzugt und uns Mädchen eher vernachlässigt hat). Die Besuche in der Kirche wurden immer weniger und als ich vor ein paar Jahren vor die Entscheidung gestellt wurde, ob ich gefirmt werden möchte, habe ich dies abgelehnt. Ich bin deshalb immernoch gläubig, aber ich glaube einfach nicht mehr an das, was die Kirche vermittelt. Für mich hat die (katholische) Kirche das 21. Jahrhundert verpasst. Es nervt mich, dass z.B. Homosexuelle, die meiner Meinung nach heutzutage zur Gesellschaft gehören wie jeder andere auch, immernoch diskriminiert werden. Auf der einen Seite bin ich schon daran interessiert, gewisse Traditionen zu pflegen, aber auf der anderen Seite gibt es auch Dinge, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Ich bin noch nicht ausgetreten und weiß auch noch nicht, ob ich das in naher Zukunft tun werde, aber im Moment sehe ich definitv nicht ein, die Kirche zu unterstützen, solange sich da nichts ändert. Wahrscheinlich werde ich wie jedes Jahr zu Weihnachten mal wieder mit meinen Eltern in die Kirche gehen, gezwungenermaßen. Ich glaube nicht mehr an den Gott, den die Kirche beschreibt, ich glaube generell an das Schicksal und vielleicht eine höhere Macht.

    Die Sache mit dem "Warum lässt Gott Katastrophen usw. zu?" kenne ich auch. Wir haben das Thema sogar mal im Unterricht behandelt und ich kann mich noch daran erinnern, dass die Kirche dafür immer irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Theorien aufgestellt hat, zumindest kam es mir damals so vor. Für mich war es zumindest keine zufriedenstellende Erklärung und das ist für mich ein weiterer Grund, lieber an meinem "eigenen" Glauben festzuhalten.

    Liebe Grüße,
    Lisa

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  2. Hallo
    Ihr solltet auf jedenfall nicht mehr allzu lange mit dem film warten. der läuft ja jetzt schon über einem Monat. vermutlich ist bald sense!

    Ich weiß gar nicht mehr wie das früher bei mir war, aber ich glaube schon lange nicht mehr an einen gott, so wie er oft porträtiert wird. ob es eine höhrere macht gibt weiß ich nicht. ich habe mir darüber schon oft gedanken gemacht, aber ich komm da zu keinem ergebnis. es ist zwar blöd, aber es ändert sich teilweise mit meinen launen. hm..

    LG

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  3. Ehrlichgesagt diskutier ich mit JEDEM Religionspädagogen, wer Gott erschaffen hat. Bisher konnte mir noch keiner diese Frage beantworten und ich glaube auch an keinen Gott. Nichtmal an eine höhere Macht oder sonstiges. Wir Menschen formen uns die Welt und wir machen uns selbst kaputt. Da kann kein "Gott" irgendetwas ändern.
    Vor einer Woche hat mich ein Opi vor einem Einkaufszentrum angequatscht und hat mir erzählt, dass wir Christen von Anfang an verarscht werden. Es fängt zB schon mit der Taufe an: Laut Bibel (Oh, die heilige Schrift, blabla) darf man nur an 7 Orten auf der Welt getauft werden. Wir sind quasi alle nur 'scheingetauft'. Und jetzt zitiere ich mal den Opi: "Die Juden sind auch ein bescheuertes Volk. Würden wir ihnen sagen, dass ihr Allah dieselbe Person wie Jesus ist, würden alle Religionen zusamenkommen, die ganze Welt würde nach einer Religion leben & es würde Weltfrieden herrschen!" Recht hat er.

    LG

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  4. Hey Isa!

    Danke, mir geht es auch ganz gut :-) Studiere jetzt seit zwei Monaten in Berlin, macht mir viel Spaß hier. Und wie läufts bei dir?

    Ja, bei manchen Dingen könnte man sich in Deutschland wirklich noch was bei den Amerikanern abschauen. Ich war zwar noch nie dort, aber ich denke auch, dass die Kirche dort die Jugendlichen eher anspricht. Wirklich schade, dass diese Tradition hier so allmählich verkommt, aber da ist die Kirche selbst dran schuld.

    Liebe Grüße,
    Lisa

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  5. Hallo Isa,
    ich finde diesen Post sehr interessant, er lädt zu einer Diskussion ein und das mag ich sehr an Blogs.
    Ich finde, dass Religion an sich ein heikles Gebiet ist. Was mir im Christentum auffällt, ist die Tatsache, dass oft Fragen gestellt werden wie: Wenn es einen Gott geben würde, wieso lässt er dann all diese schrecklichen Katastrophen/Krankheiten zu? Fest steht, dass die Religion eine Erfindung des Menschen ist und vor allem den Menschen dazu diente, in schwierigen Situationen Unterstützung zu suchen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Gott,Jesus oder sonstige Heilige sind in dem Fall Hoffnungsträger. Sie glaubten daran, dass es eine höhere Instanz geben muss. Auch wenn sie nicht zu sehen war- es musste sie doch geben! Es hat einen guten Grund, wieso die Menschen so gläubig waren. In einer Zeit, wo die Kenntisse in der Medizin, Umwelt, Wissenschaft und Technik noch lange, lange nicht so fortgeschritten war wie jetzt, wissen wir, (wenn auch noch nicht alles), was es bedeutet wenn ein Blitz einschlägt. Nein, es ist kein Gotteszeichen. Oder wenn jemand an einer Krankheit erkrankt. Nein, es war keine Bestrafung Gottes, denn die Krankheit hat sich aus diesen Gründen entwickelt. Oder was wir machen sollen, damit wir genügend zu Essen haben. Da sie keine Erklärungen für die Dinge, die für uns heute so selbstverständlich sind, hatten, glaubten sie an eine höhere Kraft, die uns wie Marionetten am Seil durch unser Leben führt. Vieles, was im Christentum den Menschen erzählt wurde, hat nicht gestimmt und stimmt mit den Werten, die sie den menschen weitergeben möchte, gar nicht überein. Heute wissen wir, dass die Kirche damals (so sei es im Mittelalter, in der frühen Neuzeit oder im 19. und 20. jahrhundert) die Anhänger praktisch nur "ausgebeutet" hat.. Die Kirche war mächtig, und wehe jemand hat was anderes behauptet, der wurde sofort hingerichtet. Ist so ein Verhalten korrekt? Nein und es verstösst gegen das Gebot: Du sollst nicht morden. Wie soll man einer Religion glauben, die selber nicht das respektiert, was die Anhänger respektieren sollen? Das Christentum preist nur mit Werten vor sich hin, hat aber, salopp ausgedrückt, viel Dreck am Stecken. Ich glaube, dass all diese Erkenntnisse und anderes (es ist viel zu viel, ich kann das alles unmöglich hier aufzählen) dazu führen, dass die Menschen nicht mehr an Gott glauben. Ich glaube ehrlich gesagt nicht an Gott, obwohl ich katholisch getauft wurde. Ich sehe die Religion sowieso sehr kritisch, da sie in vielen Fällen die Menschen nicht zu Frieden und zusammen gebracht hat, sondern das genaue Gegenteil erreicht hat. (siehe: 100jähriger Krieg, 30jähriger Krieg, Reconquista, Missionarsreisen, 2. Weltkrieg, Terrorismus...) Ich toleriere die Religion und den Glauben anderer Menschen- aber ich bin froh, dass es hier nicht wie in den USA ist, was das Christentum betrifft. Ich finde es teilweise erschreckend, wenn behauptet wird, Gott sei für uns verantworlich. Das sind noch immer wir selbst. Nur weil wir Krankheiten/Umweltkatastrophen oder sonstig Naturbedingtes nicht kontrollieren können, wird so etwas in den Raum geworfen. Ich bin froh, dass wir in einer Zeit sind, wo die menschen das glauben können was sie wollen und nicht mehr gezwungen werden, dies oder das zu tun oder zu glauben. Wobei dies natürlich nicht überall der Fall ist, aber ich hoffe, dass es noch so weit kommt.

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  6. Hey Isa,

    ich studiere Medizin an der Charité :-)
    Versuche auch im Moment, an einen Job zu kommen, auch um meine Eltern finanziell ein wenig zu entlasten.

    Liebe Grüße,
    Lisa

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